
Schattenrätsel I ☝️🤫
Die riesige Linde im Stadtpark Nürnberg – angeblich 1788 gepflanzt, was meiner Meinung nach nicht stimmen kann – hat mit ihrem über sieben Meter
Umfang messenden Stamm eine ausladende Krone. So gehört sich das für eine alte Linde.
Jetzt, Mitte März ist der gewaltige Baum noch kahl und an einem der ersten sonnig warmen Vorfrühlingstage bin ich erstaunt, wie wenig Schatten ein
laubloser Laubbaum spendet. Genaugenommen fast gar keinen.
Im Sommer sieht das natürlich anders aus – dann beschattet die alte Linde mit ihrem dichten Blätterdach den Boden und kühlt damit ihre Umgebung
merklich ab. In den Zeiten des Klimawandels gerade in den Städten wichtig. Kein Wunder, dass sich auch die Forschung mit der Kühlwirkung von Bäumen in Städten befasst und dabei höchst merkwürdige
Ergebnisse zu Tage fördert.
Auf den ersten Blick könnte man denken, dass Bäume als natürliche Klimaanlage umso effektiver sind je dichter ihre Kronen belaubt sind. Ganz so
einfach ist es aber nicht: Bäume kühlen nicht nur durch den gespendeten Schatten, sondern maßgeblich auch durch ihre Wasserverdunstung über die Blätter. Linden zum Beispiel haben sehr viele
Blätter, werfen starken Schatten und nehmen viel Wasser auf, das sie anschließend verdunsten. Eigentlich optimal, aber an der TU- München hat man Überraschendes beobachtet: Die lichten Robinien,
deren Blätter vergleichsweise luftig an den Zweiglein hängen und die den Boden viel weniger beschatten als Linden sind oft die überlegenen Klimaanlagen und senken die Umgebungstemperatur stärker
ab.
Das IST rätselhaft, oder? Des Rätsels Lösung im nächsten Artikel… und ganz ehrlich, ich wäre nicht draufgekommen. 😉